]tip: Ausstellung im „Salon am Moritzplatz“ 13. Juli und 16. Juli 2017

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Jüdische Amüsierbetriebe am Moritzplatz

Der Moritzplatz war noch nie der Nabel der Stadt. Mitte des 19. Jahrhunderts im Süden Berlins angelegt, entwickelte er sich aber in wenigen Jahrzehnten zu einem Verkehrsknotenpunkt und Zentrum des Amüsierbetriebs. Theodor Fontane bemerkte: „Sie geben heute die ‚Quitzows‘ an zwei Stellen: im Schauspielhause die richtigen Quitzows und am Moritzplatz die parodierten […].“ (Die Poggenpuhls, 1896). Das Publikum konnte also am Moritzplatz die Persiflage jener Stücke sehen, die am Gendarmenmarkt im Original gezeigt wurden.

Um 1900 warb eine stattliche Anzahl von Theatern, Kaffeehäusern und Biergärten um Publikum – einige davon wurden von Juden betrieben. Das bekannteste von ihnen war wohl das Jargon-Theater der Gebrüder Herrnfeld in der Kommandantenstraße. Der Erste Weltkrieg bedeutete einen tiefen Einschnitt für das Geschäftsleben am Moritzplatz: Ganz abgesehen von Versorgungsengpässen konzentrierte sich der Amüsierbetrieb in den „Goldenen Zwanzigern“ stärker am Kurfürstendamm im Berliner Westen. 1924 schloss das „Café Nagler“ seine Pforten. Die Amüsierbetriebe am Moritzplatz, zu denen auch das Kino „TAM – Theater am Moritzplatz“ gehörte, hangelten sich unter wechselnden Direktionen von Krise zu Krise. Schon vor 1933 wurden auch hier jüdische Unternehmer von der SA bedroht. Aus Angst vor solchen Übergriffen stellte der „Tanzpalast Sevilla“ seinen Betrieb 1933 zunächst ein, um 1935 als Vergnügungslokal nur für Juden wieder zu öffnen. Im ehemaligen Theater der Gebrüder Herrnfeld in der Kommandantenstraße zeigte unterdessen der Jüdische Kulturbund bis 1941 Stücke, gezwungenermaßen ebenfalls ausschließlich für Juden.

Nachdem die jüdischen Inhaber geflüchtet oder deportiert und ermordet worden waren, fielen die Häuser den Bomben oder den Neubauplänen der 1950er-Jahre zum Opfer. Die Erinnerung an die Amüsierbetriebe am Moritzplatz hielt sich nur in wenigen Familienerzählungen. Einer solchen Überlieferung hat die israelische Dokumentarfilmerin Mor Kaplansky in dem Film „Café Nagler“ ein Denkmal gesetzt – und damit den Anstoß für diese Ausstellung gegeben. Diese fängt Spuren jüdischer Amüsierbetriebe dokumentarisch und künstlerisch ein und setzt sie in Beziehung zum heutigen Leben am Moritzplatz.
Die Ausstellung wurde von Stella Flatten, Ossian Fraser, Lydia Korndörfer, Christoph Kreutzmüller, Kaspar Nürnberg und Bjoern Weigel in Kooperation mit dem Aktiven Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. realisiert.
Sie wird vom 13. bis 16. Juli 2017 im „Salon am Moritzplatz“, Oranienstraße 58, 10969 Berlin gezeigt.

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Eröffnung: Donnerstag, 13. Juli 2017, 19.00 Uhr

Serviert werden Drinks aus den 1920er-Jahren

Sonntag, 16. Juli 2017:

16.30 Uhr: Vortrag von Dr. Simone Ludwig-Winters über das Kaufhaus Wertheim am Moritzplatz

19.00 Uhr: Vortrag von Wolfgang Müller über Valeska Gert

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Impressum:
Gestaltung: Stella Flatten

Texte: Christoph Kreutzmüller, Kaspar Nürnberg, Bjoern Weigel

All rights reserved: info@salonammoritzplatz.de

Salon am Moritzplatz, Oranienstrasse 58, 10969 Berlin – Kreuzberg

U8/M29 Moritzplatz

Headerbild: Carpe Diem! Veranstaltungen Berlin. /// Salon am Moritzplatz

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