]Nicht-Besucher: Wer sind sie? Wie viele? Und warum gehen sie denn nicht ins Theater, Museum und Konzerthaus?

Augenscheinlich betrachtet – durch zwei Brillen (und mehrere Lupen) – werden im aktuellen Magazin des „Kulturmanagement Network“ die Besucher, die eben nicht in Kultureinrichtungen gehen.

Autor Thomas Renz beginnt bei sich selbst: Warum interessiert ihn wohl die Analyse der Nicht-Besucher? Und ganz generell: Welche Verwertungsinteressen stehen denn hinter einer solchen Fragestellung? Und finden hierbei auch die Noch-Nicht-Besucher Beachtung? In frischer Sprache verfasst nimmt Renz unter die Lupe, was in den letzten Jahrzehnten erhoben und zu welchem Zwecke diese Daten ausgewertet wurden.

Das gesamte Heft inkl. diesem lesenswerten Artikel finden Sie hier.

(Auszug:) „[…]Seit dem Ende der 1970er Jahren bestimmt der hoffmannsche Diskurs um
Kultur für alle wesentliche Teile der Kulturpolitik in (West-)Deutschland.
Aus einer ehemals sozialdemokratischen Ideologie ist heute ein institutionalisierter
Legitimationsdiskurs von Kulturschaffenden und Kulturpolitikern geworden. Kunst und Kultur sind im öffentlich geförderten System in Deutschland nicht nur für eine gesellschaftliche Elite vorbehalten, sondern sollen allen zugänglich sein und bekommen gesellschaftspolitische Funktionen zugeschrieben. Vor dem Hintergrund solcher Ziele liegt es nahe, mit der kulturpolitischen Brille diejenigen zu untersuchen, die nicht in die öffentlich geförderten Theater, Museen und Konzerthäuser kommen. Der
spätere Leiter des Zentrums für Kulturforschung Andreas J. Wiesand schrieb bereits Ende der 1970er Jahre abschließend in einer Bevölkerungsbefragung:
„Wenigstens eine grobe Kenntnis des in diesen Zielgruppen vorherrschenden Kulturverständnisses sowie ein Abbau allzu offensichtlicher Kulturbarrieren sind wichtige erste Schritte auf diesem Weg zur angestrebten kulturellen Demokratie.“ (Fohrbeck und Wiesand 1980: 141)
Kulturpolitik ist unter einer solchen Perspektive also mit einer gesellschaftspolitischen
Idee verbunden und daraus resultiert die zentrale Herausforderung: Wir müssen wissen, wer denn nicht in unsere kulturpolitisch legitimierten und geförderten Theater, Museen und Schwerpunkt: Analyse – Unter der Lupe Analyse mit zwei Brillen Konzerte kommt und wie dieser Status quo verändert werden kann. Wissenschaftler, die solche oft von Ministerien oder Interessenverbänden in Auftrag gegebenen Studien durchführen,  benötigen neben der durchaus berechtigten ideologischen Motivation allerdings auch Theorien, auf deren ihre Forschung aufbaut. Auf der Suche nach einer Theorie für einen
solchen kulturpolitischen Blick auf die Nicht-Besucher können Ansätze der sozialen Ungleichheitsforschung helfen: „Soziale Ungleichheit liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den „wertvollen Gütern“ einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten.“ (Hradil 2001: 30)

[…] Vor diesen politischen Hintergründen ist die zweite Brille wesentlich pragmatischer, aber seit den 1990er Jahren diskursprägend im öffentlich geförderten Kulturbetrieb. In den letzten 30 Jahren erfuhr dieser einen enormen strukturellen Wandel und zahlreiche Faktoren führten zu einem ökonomischen Interesse am Besucher und Nicht-Besucher. Denn unabhängig übergeordneter politischer Zielsetzungen von Theatern oder Museen ergibt sich durch externe Veränderungen auf betrieblicher Ebene das Problem, dass bei stagnierenden Fördermitteln und in der Kulturproduktion bedingt möglichen Rationalisierungsmaßnahmen letztlich nur über eine ökonomisch sinnvolle Vollauslastung der Platz- bzw. Besucherressourcen – wohlgemerkt bei zahlenden Besuchern – langfristig die eigene Existenz gesichert werden kann. Somit ist aus dieser Brille der Noch-Nicht- oder Nicht-Mehr-Besucher interessant. […]“

Hier zitiert sei Renz‘ Fazit: „Allein eine breit angelegte Analyse des Phänomens wird auch immer praktische Konsequenzen nach sich ziehen. Betrieblich motivierte Nicht-Besucherforschung könnte sich hingegen auf ganz spezifische und möglichst klar benannte Probleme fokussieren. Dann ginge es nicht darum, nur mal irgendwie die Nicht-Besucher kennen zu lernen, weil man das gerade eben macht (und von der lokalen Politik gelobt wird). Vielmehr ginge es darum, problemorientierte Fragen zu stellen, die auf Entscheidungen unter Unsicherheit beruhen und stets eine ganz konkrete praktische Handlungsfolge haben, um zukünftig neue Besuchergruppen anzusprechen.“

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