]critic: Eliza Douglas war im Schinkelpalais, Berlin

„Old Tissues filled with Tears“: Weißlichtig und imposant umrahmen die Großformate den eintretenden Betrachter, sogleich droht er wie eingereiht zu werden in eine bleiche Stimmung – der Raum des Oktaeders gibt sein Zentrum frei, von dort aus die Wirkung jeder Arbeit sowohl von Nahem als auch aus der Entfernung aufzunehmen. Unvermittelt wird klar: dieser Raum tut den Arbeiten nicht gut – es ist hier die Vielzahl der Arbeiten, die erdrückt. Wie einkesselt in einer unschönen Inszenierung bleibt nur der Weg direkt an die Leinwand.

Der Ausstellungstitel kündigt an: „Old Tissues Filled with Tears“. Und löst geradeswegs die Befragung der eigenen Erinnerung aus – an eben solche salz-gehärtet-dröge-zerknüllte Hinterlassenschaften unkontrollierter Gedanken und Gefühlsausbrüche. Douglas (*1984, N.Y.C.) gibt in dieser Werkreihe vornehmlich Händen und Armen eine Stimme, manchmal Füßen, selten Dingen. Programmatisch in den 14 Arbeiten ist die Abwesenheit menschlicher Körper. Die Abwesenheit von Leben. In ihren Bewegungen festgehalten sind die Hände wie bei fotografischen Momentaufnahmen. Ihre Verbindungen zueinander sind selten harmonisch, oft gebrochen oder völlig disconnected, Linien, mal unbeholfen-eckig, mal stark-kreisformig ausformuliert oder auch monochrom-konkrete Farbflächen händelnd.  Daneben die Irritation durch wahrhaft fotorealistisch dargestellte Dinge wie eine Dose, Visitenkarte oder ein Paar Turnschuhe. Nicht zum Körper gehörend und doch so überaus relevant, dass die Künstlerin sie in den Bildraum hereinlässt und ihnen sogar die größtmögliche Aufmerksamkeit schenkt. Im Gegensatz dazu werden handwerkliche Schwächen und Ungenauigkeiten sichtbar an den Extremitäten: von perspektivisch fehlerhaften Fingerstellungen oder Proportionen über unschlüssige Leerstellen, unverständliche Kompositionen, unsaubere Farbklekse auf dem Leinen bis hin zur fehlenden Grundierung.

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Die Bildinhalte wirken fragil in ihrer künstlerischen Fertigkeit, nicht durch die Sensibilität evozierenden Abbilder. Wären kuratorisch weniger Werke in dieser Schau, würde sich insgesamt nicht der Eindruck von Schwäche einstellen. Es ist, als würde der Raum die Vorgaben machen, nicht die Kunst oder die Künstlerin. Schade!

Wir werden Douglas weiter beobachten, wünschen uns aber, dass die Künstlerin vehementer Stellung bezieht: Der Raum ist keine gute Wahl, die Leinwände sollten gespannt sein und der Pressetext (siehe Screenshot unten) wäre unbedingt verbesserungswürdig, ja, sogar zu korrigieren. Es liegt immer im Verantwortungsbereich des ausstellenden Kunstschaffenden, darauf Acht zu geben, wo und wie ihre/seine Arbeiten hängen! Tun sie es nicht, spüren wir Gleichgültigkeit („disconnection“). Und das ist ungeschickt. Da hilft es auch null, dass die Reihe instagramble ist…

Bildschirmfoto 2018-01-18 um 18.20.29

Weiterführende Links über die Künstlerin (frühere Ausstellungen; Performance; Anne Imhof; Demna Gvasalia u.v.m.):

http://hey-woman.com/2017/exhibition-eliza-douglas-at-schinkel-pavillon/

https://www.artatberlin.com/ausstellung-eliza-douglas-old-tissues-filled-with-tears-schinkel-pavillon-artberlin/

http://www.kunstverein-wiesbaden.de/ausstellungen/ausstellungen-detail/eliza-douglas-my-gleaming-soul-i-am-a-fireball-5087.html

http://www.galeriebuchholz.de/exhibitions/eliza-douglas-anne-imhof-new-york-2017/

http://www.airdeparis.com/artists/eliza-douglas/oeuvres.html

https://www.artforum.com/picks/id=71213

http://moussemagazine.it/eliza-douglas-gleaming-soul-museum-folkwang-essen-2017/

https://www.museum-folkwang.de/es/aktuelles/ausstellungen/archiv/6-12-wochen-eliza-douglas.html

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