]MAK: Dieter Rams. Stilraum. Kuratorenführung

Am Mittwoch, den 11. April, lädt ab 18:30Uhr Kurator Prof. Dr. Klaus Klemp ein zur Führung im Museum für angewandte Kunst, die Werkschau zu Dieter Rams zu begehen. Anmeldungen unter: create.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de.

„Weniger, aber besser“ – Dieter Rams prägte mit seiner funktionsorientierten und unprätentiösen, visuell langlebigen und dabei höchst ästhetischen Gestaltung das Image des deutschen Designs der Nachkriegszeit.

Noch heute beeinflusst seine Designhaltung jüngere Generationen von Gestalterinnen und Gestaltern. Dieter Rams, leidenschaftlicher Verfechter einer besseren und nachhaltigeren Gestaltung, gilt als einer der erfolgreichsten und wirkungsmächtigsten Industriedesigner des 20. Jahrhunderts.

Das Museum Angewandte Kunst würdigt den Designer anlässlich seines 85. Geburtstags mit der Eröffnung des Dieter Rams Stilraums. Mit wechselnden Exponaten veranschaulicht der Raum die inhaltlichen und biografischen Zusammenhänge seiner Designhaltung. Wichtige Entwürfe des Gestalters für Braun oder sein Regalsystem 606 finden hier ebenso Einzug wie ein bequemer Sessel von Dieter Rams, in dem die Besucherinnen und Besucher Platz nehmen dürfen, um in Katalogen und Büchern zu blättern. Bilderstrecken auf zwei Monitoren zeigen außerdem weitere seiner Produkte und geben Einblicke in das Wohnhaus des Gestalters. Die ausgewählten Arbeiten aus der frühen Schaffenszeit sind durch Modelle aus der umfangreichen Sammlung des Museums ergänzt.

Kurator: Prof. Dr. Klaus Klemp
Die Modellsammlung von Braun wurde dem Museum durch das Unternehmen als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt und wird zurzeit in Zusammenarbeit mit Prof. Klaus Klemp von der HfG Offenbach wissenschaftlich aufgearbeitet. Darüber hinaus baut das Museum in Kooperation mit der Dieter und Ingeborg Rams Stiftung ein Archiv mit dem persönlichen Akten- und Fotografievorlass des Gestalters auf.

Dieter Rams begann schon 1947 ein Studium der Innenarchitektur an der Werkkunstschule Wiesbaden. Hier wurden durch den Gründungsdirektor Hans Soeder Ideen des Lehrkonzeptes des Bauhaus aufgegriffen. Nach einer zweijährigen Tätigkeit im Frankfurter Architekturbüro Apel (heute ABB), nahm er 1955 eine Stellung bei Max Braun an. In dieser Zeit wandelten die jungen Erben Erwin und Artur Braun die Traditionsfirma in ein sozialverantwortliches und modernes Unternehmen um und suchten nach einer neuen Produktsprache. Nach der Mitarbeit des Kunsthistorikers Fritz Eichler, ersten Kooperationen mit der Hochschule für Gestaltung in Ulm sowie mit den ehemaligen Bauhausschülern Wilhelm Wagenfeld und Herbert Hirche, avancierte das Designteam um Dieter Rams zum innovativen Zentrum des Design-Engagements von Braun. Dies beruhte nicht zuletzt auf einer sehr engen und frühzeitigen Zusammenarbeit mit den Technikern und dem daraus resultierenden konstruktivem Designprozess.

Zu Beginn der Sechzigerjahre und unter Mitarbeit von Gerd A. Müller, Reinhold Weiss, Richard Fischer, Robert Oberheim und Dietrich Lubs entwickelte Dieter Rams als Leiter der Designabteilung eine einmalige Produktsprache, die eine hohe Gebrauchsfähigkeit mit visueller Langlebigkeit, intuitiver Bedienung und einer herausragenden Ästhetik verbindet. Von HiFi Geräten bis hin zum Elektrorasierer fand das Team eine gemeinsame Entwurfshaltung: das charakteristische „Braun-Design“. Dieses wurde weltweit beachtet und zum Vorbild anderer Unternehmen und einer jüngeren Generation von Gestalterinnen und Gestaltern. Naoto Fukasawa, Jasper Morrison oder Jonathan Ive wurden nach eigenem Bekunden stark von Dieter Rams beeinflusst.

Dieter Rams entwickelte aus der eigenen Designpraxis und einer stets kritischen Reflexion des eigenen Berufsfelds zehn Thesen über gutes Design: echte Innovationen, Brauchbarkeit, Ästhetik, Verständlichkeit, Ehrlichkeit, Unaufdringlichkeit, Konsequenz, Langlebigkeit und Umweltfreundlichkeit. Sein Credo lautet bis heute „Gutes Design ist so wenig Design wie möglich“ oder „Weniger, aber besser“.

Langlebigkeit zeichnet auch seine modularen Möbelentwürfe aus, die zum Teil seit 1960 unverändert hergestellt werden. Das englische Unternehmen Vitsœ vertreibt bis heute weltweit das Regalsystem 606 oder das Sesselprogramm 620, das als eines der wenigen Designprodukte ein künstlerisches Urheberrecht erlangte. Einen derart langen Produktzyklus gab es bei Möbeln sonst nur bei den Bugholz- und Stahlrohrstühlen von Thonet oder bei Entwürfen von Ray und Charles Eames.

Dieter Rams engagiert sich außerhalb seiner Entwurfstätigkeit nachhaltig für eine bessere Gestaltung. Von 1981 bis 1997 unterrichtete er Industriedesign an der HfBK Hamburg, 1988 bis 1998 war er Präsident des Rat für Formgebung und seit 1999 ist er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. 1992 gründete er zusammen mit seiner Ehefrau die Dieter und Ingeborg Rams Stiftung, die sich mit eigenen Projekten der Förderung des Designs widmet. Zahlreiche Ehrungen blieben dabei nicht aus, unter anderem der Honorary Royal Designer der Royal Society of Arts, die Ehrendoktorwürde des Royal College of Arts in London, die World Design Medal der Industrial Designers Society of America, der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland für sein Lebenswerk und der Designer Award der Raymond Loewy Foundation. Dieter Rams ist Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Schon 1959 nahm das MoMA in New York die ersten Braun-Produkte in die ständige Sammlung auf. Heute finden sich Arbeiten des Gestalters in fast allen Designmuseen der Welt. 1980 veranstaltete das Internationale Design Zentrum Berlin eine erste umfangreiche Ausstellung, weitere folgten in Mailand, London, Amsterdam, Fort Lauderdale, Lissabon, Kyoto oder Moskau und jüngst bei vitra in Weil amRhein. 2008 eröffnete die gemeinsam vom Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main und dem Suntory Museum Osaka entwickelte große Ausstellung „Less and More. Das Designethos von Dieter Rams“. Bis 2012 war sie in sechs Museen in Asien, Europa und den USA zu sehen und zog in insgesamt 86 Ausstellungswochen mehr als 400.000 Besucher an.

Dieter Rams sagte einmal „Design ist Denken“. Das trifft den Anspruch eines reflektierten und streitbaren Gestalters für bessere und sinnvollere Lebenswelten, der sich nie Moden angepasst hat und eine verantwortungsvolle Haltung den Produktwelten gegenüber konsequent beibehielt.

(Text/Bilder/Infos: Museum für angewandte Kunst, Schaumainkai 17
60594 Frankfurt)

Seit 1877 gibt es den Kunstgewerbeverein in Frankfurt am Main e.V., der 1881 das heutige Museum Angewandte Kunst gegründet hat.

Der Verein führte damals unter dem Dach der Polytechnischen Gesellschaft Sammler, Mäzene, Unternehmer, Kunsthandwerker und Kunstliebhaber zusammen, die ihren bürgerlichen Gemeinsinn und ihre Liebe zu Kunst und Gestaltung leben und weitergeben wollten. Überall in Europa entstanden im 19. Jahrhundert Gesellschaften und Museen, die Werke angewandter Kunst aus allen Erdteilen und Zeitaltern zusammentrugen, um Kunst- und Kulturgeschichte zu erforschen und um Kunsthandwerkern ebenso wie Gestaltern für die maschinelle Produktion Anregungen zu geben.

Heute unterstützt der Verein mit zwei Tochtergesellschaften und etwa 600 Mitgliedern das Museum Angewandte Kunst ideell und finanziell. Die Historische Villa Metzler am Schaumainkai ist durch ihn zu einer kulturellen Begegnungs- und Veranstaltungsstätte geworden. Für den im Jahr 2012 realisierten Ankauf der Sammlung Riese, die 180 kostbare japanische Farbholzschnitte beinhaltet, hat sich der Verein maßgeblich eingesetzt.

Als Mitglied des Kunstgewerbevereins genießen Sie viele Vorteile beim Besuch Ihres Museums! Erfahren Sie mehr auf der Webseite des Vereins: www.kgv-frankfurt.de

 

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