]Provenienzrecherche „Bestandsaufnahme Gurlitt“ im Gropius Bau Berlin zu sehen

Magdeburg: Projekt Provenienzrecherche Gurlitt weist bei vier Werken Raubkunst nach.

Vier Zeichnungen der Künstler Charles Dominique Joseph Eisen, Augustin de Saint-Aubin und Anne Vallayer-Coster wurden vom Projekt „Provenienzrecherche Gurlitt“ als Raubkunst identifiziert. Ihre Herkunft lässt sich bis zu der jüdischen Familie Deutsch de la Meurthe in Paris zurückverfolgen, in deren Privathaus sie hingen. Das Haus wurde während der Besatzung durch die Nationalsozialisten konfisziert. Nach dem Ende des Krieges erstatte die Familie eine Verlustmeldung, in der die Bilder aufgeführt sind. Im Zusammenhang mit dem „Kunstfund Gurlitt“ wurde bekannt, dass   sich diese vier Werke neben weiteren 14 Bildern im Bestand von Benita Renate Gurlitt (1935-2012) befanden. Aufgrund der Herkunft aus dem Kunstbestand Hildebrand Gurlitts und der Bedeutung für die Aufarbeitung des nationalsozialistischen Kunstraubs wurden die Werke ebenfalls in die Forschung durch das Projekt „Provenienzrecherche Gurlitt“ aufgenommen und im Juli 2017 in der Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste veröffentlicht. Der derzeitige Eigentümer hat sich zu den Washingtoner Prinzipien bekannt und sich zur Restitution von NS-Raubkunst entschlossen. Die Werke sind in der Ausstellung „Bestandsaufnahme Gurlitt“ im Gropius Bau in Berlin vom 14. September 2018 bis zum 7. Januar 2019 zu sehen. Die Nachfahren der Familie Deutsch de la Meurthe wurden kontaktiert und wünschen eine Präsentation der Werke.

Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters erklärt hierzu: „Die Identifikation vier weiterer Werke als NS-Raubkunst ist ein überzeugender Beweis dafür, wie wichtig eine umfassende, den Details nachspürende und daher oftmals langwierige Provenienzforschung ist. Ich bin zudem dem Eigentümer der Werke sehr dankbar, dass er sich als Privatperson den Washingtoner Prinzipien verpflichtet sieht und der Restitution von NS-Raubkunst zugestimmt hat. Es ist ein wichtiger Schritt zur Aufarbeitung des NS-Kunstraubes, dass auch Privatpersonen ihre Verantwortung annehmen und ihre Bestände untersuchen lassen.“

Grütters weiter: „Es ist gut, dass diese Werke nun in der Ausstellung ‚Bestandsaufnahme Gurlitt‘ im Gropius Bau in Berlin ab dem 14. September gezeigt werden können. Das ist ein wichtiger Schritt, dem Schicksal der jüdischen Familie Deutsch de la Meurthe, der die Werke entzogen wurde, gebührenden Respekt zu zollen.“

Auf den Rückseiten von zwei Zeichnungen des Künstlers Charles Eisen sind Losnummern einer Auktion (Vente Léon Decloux, Hôtel Drouot, Paris, 14. – 15. Februar 1898, Los 57 & 58) zu finden, bei der Henri Deutsch de la Meurthe sie nachweislich kaufte. Die Zeichnungen von Aubin und Vallayer-Coster erstand er ein Jahr später bei einer weiteren Auktion (Vente Mühlbacher, Galerie Georges Petit, Paris, 15. Mai 1899, Los 288 & 299). Der französische Industrielle Henry Deutsch de la Meurthe (1846–1919) ist vor allem als Förderer der frühen Luftfahrt in die Geschichte eingegangen. Das Haus der Familie am Pariser Place des États-Unis wurde von der nationalsozialistischen „Dienststelle Westen“ als Lager für Kunstwerke benutzt, die aus Beschlagnahmungen der sogenannten „Möbel-Aktion“ zusammengetragen wurden.

Detaillierte Informationen zu den Werken und ihrer Herkunftsgeschichte entnehmen Sie bitte der Anlage sowie den Links zur Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste.

Die Bilder sind in der von der Bundeskunsthalle, Bonn, und dem Kunstmuseum Bern präsentierten Ausstellung „Bestandsaufnahme Gurlitt. Ein Kunsthändler im Nationalsozialismus“ im Gropius Bau in Berlin vom 14. September 2018 bis zum 7. Januar 2019 zu sehen.

Ansprechpartner:

Bei inhaltlichen Rückfragen oder Fotowünschen wenden Sie sich bitte an:

Freya Paschen, Pressesprecherin
Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
Stiftung bürgerlichen Rechts
Humboldtstraße 12 | 39112 Magdeburg
presse@kulturgutverluste.de
http://www.kulturgutverluste.de

Hinweis für bildgebende Medien:
Falls Sie einen Vor-Ort-Termin in der Ausstellung wünschen, wenden Sie sich bitte direkt an: Sven Bergmann, Pressesprecher
Kunst- und Ausstellungshalle
der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Friedrich-Ebert-Allee 4, D-53113 Bonn

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