]tip: KÖNIG GALERIE zeigt Alicja Kwade // Natascha Sueder Happelmann – Deutscher Pavillon 2019 Venedig Biennale

[English below]

Noch bis 11. November zeigt KÖNIG Galerie aktuelle Arbeiten von ALICJA KWADE: 
ENTITAS.

>>Mit dem Ausstellungstitel ENTITAS (mittelaltlateinisch für „Entität“) bezieht sich die Künstlerin unmittelbar auf die Frage nach dem Wesen der Dinge: Woraus ist die Welt gemacht? Und mindestens genauso wichtig: Welche Informationen stehen uns zur Beantwortung dieser Frage überhaupt zur Verfügung? In der zentralen, in den Raum ausufernden Installation Die bewegte Leere des Moments, die 2015 für die Schirn Kunsthalle in Frankfurt entstand, schwingen zwei Objekte, ein massiver Stein und eine kupferne Bahnhofsuhr, in einer Kreisbahn über die Köpfe der Besucher hinweg und sind als Luftzug spürbar. Über Lautsprecher verstärkt hört man das Vergehen der Zeit, das Ticken des Sekundenzeigers, sowie das Rauschen der Bewegung, die der bewegte Stein in die Atmosphäre schneidet – die Komposition erinnert an Herzschlag und Atmung, die Grundfunktionen menschlicher Existenz. So kreisen die Objekte, Protonen und Elektronen gleich, um ein nie genau zu fassendes Zentrum, markieren dabei gerade jenen Zwischenraum, der uns als Leere erscheint. (…) Kwade nimmt mit der Arbeit auch Bezug auf ihre bereits 2013 in ST. AGNES gezeigte Rauminstallation Nach Osten, als sie ein Foucaultsches Pendel quer durch das damals noch nicht umgebaute Kirchenschiff gleiten ließ. In ihrem Anliegen, der Entität der Dinge näher zu kommen, beschreibt und interpretiert sie alltägliche Objekte in ihren Bewegungen und Verwandlungen. Über allem kreist, wie der Stein und die Uhr über den Besuchern, die Frage, wo ein Objekt beginnt, und wo es aufhört, ob diese Grenze überhaupt existiert, und wer darüber entscheidet?

Dass die Bewegung von Objekten erst durch die Interpretation des Gehirns ermöglicht wird, dass sie nur als Abfolge von Momentaufnahmen wahrnehmbar ist, dessen ermahnt die Arbeit Fall (2018). Der Betrachter sieht den eingefrorenen Moment einer längeren Narration – ein Standbild in Skulptur gegossen. Irgendeine Macht ließ diese Rohre fallen, alles geriet in Chaos, klatschte auf, klirrte und lärmte, doch nun ist alles ruhig. Was nach dem nächsten Wimpernschlag geschieht, wie es dazu kam, der Besucher muss es selbst fortdenken. Doch erinnert ihn das Ticken der Uhr über ihm daran, dass auch dieser Moment nicht festzuhalten ist. (…)

In Hemmungsloser Widerstand (2018) sieht der Betrachter – vielleicht als Protest – geworfene Steine, doch haben sie nicht zum Umsturz geführt. Der Widerstand blieb hemmungslos, die Steine verharren inmitten des Glases. Wie aus einem Film gestanzt, wie die Einzelaufnahme aus der Chronofotografie Eadweard Muybridges, erscheint die Szene, hier jedoch aufgelöst im Absurden, da sie jeder bekannten physikalischen Gesetzmäßigkeit widerspricht. (…)<<

Franciska Zólyom, die Kuratorin des Deutschen Pavillons 2019, arbeitet mit der Künstlerin Natascha Süder Happelmann an der Gestaltung des deutschen Beitrags für die 58. Internationale Kunstausstellung, Biennale di Venezia.

Natascha Süder Happelmann ist eine wichtige Stimme zeitgenössischer Kunst. In ihrer Arbeit entfaltet sie das poetische, imaginäre und kritische Potenzial der Kunst. Sie steht für eine künstlerische Position, die ästhetische und wissenschaftliche Konzepte sowie soziale oder politische Verhältnisse nicht nur analysiert oder kommentiert, sondern auch aktiv ändert. In jedem Arbeitsprozess entwickelt die Künstlerin ein neues Verständnis ihrer Rolle und einen neuen Ansatz.

Für den Beitrag zum Deutschen Pavillon 2019 arbeitet Natascha Süder Happelmann mit der persönlichen Sprecherin Helene Duldung zusammen und passt ihren Namen speziell für diese Aufgabe an. Die Künstlerin hat eine Sammlung verschiedener Namen ausgewertet, mit denen sie in den letzten dreißig Jahren von offiziellen Behörden angesprochen wurde. Nach einer sorgfältigen Analyse der Variationen, die durch Autokorrekturprogramme und falsche Schreibweise entstanden sind, hat sie algorithmische Parameter und soziale Protokolle verwendet, um die am besten geeignete Version auszuwählen: eine optimale Form der Integration.

Die Trennung des Künstlers von repräsentativen Rollen oder politischer Instrumentalisierung war schon immer ein wesentlicher Bestandteil von Natascha Süder Happelmanns künstlerischer Praxis. Bereits 2004 initiierte der Künstler die CV-Austauschplattform bioswop.net, auf der Konzepte wie Identität, Repräsentation, Fakten und Selbst neu verhandelt und der Fetisch der „Künstlerbiografie“ untergraben wird.

Natascha Süder Happelmann schafft vor allem Arbeiten in den Bereichen Installation und Performance, Text und Sound. Als individuelle oder kollektive künstlerische Position lässt sie ihre Praxis häufig in politische, soziale Prozesse einfließen. Sie spricht den aktivistischen Aspekt der künstlerischen Arbeit an und untersucht die Bedingungen und Räume für ästhetische Forschung und künstlerisches Handeln.

Der deutsche Beitrag zur 58. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia wird im Auftrag des Auswärtigen Amtes in Zusammenarbeit mit dem ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) realisiert.

http://www.deutscher-pavillon.org

Sie können die Künstlerin auf ihren Social-Media-Konten verfolgen:
Instagram: @ natascha.sueder.happelmann
Facebook: Natascha Sueder Happelmann

Alle Informationen/Copyrights + Kontakt: KÖNIG GALERIE
ST AGNES | ALEXANDRINENSTR. 118 – 121 | 10969 BERLIN
DI – SA 11.00 – 19.00 Uhr | So 12 – 18 Uhr | T +49 30 261 030 80

// English:

KÖNIG Gallery will be showing current works by November 11th: ALICJA KWADE: 
ENTITAS. 

Kwade’s exhibition title ENTITAS (Latin: entity) alludes to enquiries about the essence of things: what is the world made of? And further even: what information is available for us to attempt an answer to this question?

Extending into the space of the room, the installation “Die bewegte Leere des Moments” [The Moving Emptiness of the Moment] is central to the exhibition. It was created for Schirn Kunsthalle Frankfurt in 2015 and consists of two objects—a colossal stone and a copper station clock—that orbit above the heads of the visitors; motion is rendered perceptible as a draft. Enhanced by loudspeakers, both the ticking of the clock and the sound of the stone cutting through the air are audible. Time is passing. The composition as a whole evokes the basic functions of human existence: heartbeat and breathing. In that way the objects, their protons and electrons, revolve around an ever elusive center, indicating the very interspace that appears to us as emptiness.

With this work Alicja Kwade simultaneously references her installation “Nach Osten” [Eastward], which, in 2013, presented Foucault’s pendulum gliding through the yet unconverted nave of ST. AGNES. In pursuit of approaching the entity of things, Kwade describes and interprets the movements and transformations of everyday objects. Just like the orbiting stone and clock, all-present questions soar overhead. Where does an object begin and where does it end? Do object boundaries exist at all? And, if so, who could claim to determine this?

The work Fall (2018) highlights the fact that the movement of objects, perceivable as a sequence of snapshots, is only made possible by the brain’s capacity to interpret. The observer sees the single frozen moment of a longer narration, a still cast into sculpture. A higher power may have dropped these pipes—chaos arose with sounds of rattle and clatter, but now everything rests quietly. It is left for the visitor to imagine the cause to this set of circumstances, or what might happen after the next blink of an eye. And still the continuous ticking of the overhead clock reminds the visitor that this moment cannot be contained.

Hemmungsloser Widerstand (2018) [Unhampered Resistance] shows stones that have been thrown—possibly as an act of protest—but they have caused no overthrow. Unhampered resistance—the stones remain inside the glass. The scene appears to have been taken from a film, much like a single shot from Eadweard Muybridge’s chronophotography; by contradicting every known physical law, however, it dissolves into absurdity. (…)<<

Franciska Zólyom, the curator of the German Pavilion 2019, is working with the artist Natascha Süder Happelmann on the design of the German contribution for the 58th International Art Exhibition, Biennale di Venezia.

Natascha Süder Happelmann is an important voice of contemporary art. In her work she unfolds the poetic, imaginary and critical potential of art. She stands for an artistic position that not only analyses or comments on aesthetic and scientific concepts and social or political conditions, but actively changes them. Within each working process the artist develops a new understanding of her role and a new approach.

For the contribution to the German Pavilion 2019, Natascha Süder Happelmann works with a personal spokeswoman, Helene Duldung, and adapts her name especially for the task. The artist has evaluated a collection of various different names that have been used by official authorities to address her over the last thirty years. After careful analysis of the variations, which have arisen due to autocorrect programmes and misspelling, she has used algorithmic parameters and social protocols to select the most suitable version: an optimal form of integration.

Disconnecting the artist from representative roles or political instrumentalisation has always been an integral part of Natascha Süder Happelmann’s artistic practice. As early as 2004, the artist initiated the CV exchange platform bioswop.net, where concepts such as identity, representation, facts and self are renegotiated and the fetish of the „artist’s biography“ is undermined.

Natascha Süder Happelmann primarily creates works in the fields of installation and performance, text and sound. As an individual or collective artistic position, she frequently allows her practice to flow into political, social processes. She addresses the activist aspect of artistic work and reassesses the conditions and spaces for aesthetic research and artistic action.

The German contribution to the 58th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia is realised on behalf of the Federal Foreign Office in cooperation with ifa (Institut für Auslandsbeziehungen).

http://www.deutscher-pavillon.org

You can follow the artist on her social media accounts:
Instagram: @natascha.sueder.happelmann
Facebook: Natascha Sueder Happelmann
All information/copyrights + contact: KÖNIG GALERIE
ST AGNES | ALEXANDRINENSTR. 118 – 121 | 10969 BERLIN
TUE – SAT 11 AM – 7 PM | SUN 12 PM – 6 PM | T  +49 30 261 030 80

 

 

 

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