]HU Berlin, Philosophie (Polen/D) und Kunst, ZUZANNA SKIBA: MAGNETFELDER

Freitag, 15. Februar 2019 um 18 Uhr Humboldt-Universität zu Berlin | Unter den Linden 6, 10099 Berlin | im Raum 2094 http://utp.berlin/aktuell
zum Vortrag : Prof. Dr. habil. Andrzej Friszke, Institution: Collegium Civitas, PAN Institut für politische Studien, Warschau mit dem Thema: Das polnische Institut für Nationales Gedenken (IPN) und die deutsche Gauck-Behörde BStU – Ähnlichkeiten und Unterschiede. {mit Simultanübersetzung aus dem Polnischen ins Deutsch}

Moderation des Vortrages und anschließende Einführung in das künstlerische Werk von Zuzanna Skiba durch Dr. Piotr Olszówka, Philosoph, Publizist, Kritiker, Vorstandsvorsitzender des Convivium Berlin e.V.screenshot-utp.berlin-2019.02.07-17-25-01
*
Nach der Vorlesung um ca. 19.00 Uhr Vernissage in der Galerie vor dem Raum 2094 : ZUZANNA SKIBA. MAGNETFELDER. DIE HÖCHSTE LUST_2
*
Aufgeladen, dunkel, erotisch, groß, sinnlich, pastos und mit Kruste gemalt. Die in Berlin lebende und arbeitende Künstlerin Zuzanna Skiba betrachtet die Welt mit all ihren topographischen, politischen und persönlichen Informationen, kombiniert in den Werkserien eine Sicht aus unterschiedlichen Perspektiven: von oben, aus dem Mittendrin oder von unten. Sie ist Malerin und Kartographin, arbeitet international und entwickelt aus dieser Schnittstelle eigene autonome Bilder.
Skiba erhielt u. a. das Arbeitsstipendium für die Residenz auf der norwegischen Insel Fruholmen zum Thema „Drama in der Landschaft“ am Nordkap und reiste künstlerisch letzten Sommer 2018 in die Abruzzen, ins Erdbebengebiet Italiens.
Innere, wie äußere Landschaften entstehen.
*
Gelegenheit zum Gedankenaustausch: Um eine Anmeldung unter policultura @ email.de wird gebeten.

Das Institut für Nationales Gedenken entstand 1999 als staatliche Institution, die folgende Ziele verfolgen sollte: vom Staatssicherheitsdienst die Akten aus der Zeit der Volksrepublik Polen übernehmen; eine Ehrenwiedergutmachung für die Opfer des Regimes sowie rechtlich-strafrechtliche Ermittlungen gegen Personen aufnehmen, die sich in jener Zeit Straftaten schuldig gemacht hatten; Archivmaterial des Staatssicherheitsdienstes der Forschung zur Geschichte der Volksrepublik Polen zugänglich machen, um die bereits laufenden wissenschaftlichen Forschungen zur Nachkriegsgeschichte Polens zu erweitern und zu bereichern. Im Laufe seiner Existenz unterlag das Institut für Nationales Gedenken einer Evolution, die eine Folge der Erwartungen der rechten Seite des politischen und ideologischen Spektrums in Polen war. Diese strebte danach, dass das Institut zum Gestalter einer neuen Geschichtspolitik werde, eine entsprechende nationale Tradition aufbaue, die sich auf Antikommunismus stützten und die nach 1945 gegen die Diktatur unternommenen Aktivitäten hervortun sollte. Es ging auch darum, das IPN von einer staatlichen Institution, die in den Bereich von Rechtsprechung und Archiven gehörte, in eine Institution zu verwandeln, die eine gesellschaftliche und eine Bildungsbewegung mit den oben genannten Zielen erfüllte. Man wollte es mit der gleichzeitig verlaufenden Lustration verbinden (bis 2006 gab es eine gesonderte Behörde), und infolge dessen eine gesellschaftliche Wandlung in der Wahrnehmung der Vergangenheit, eine Stärkung der Dekommunisierungs- und Lustrationsbewegung erreichen, die wiederum politische Veränderungen bringen würden, u.a. den Austausch der Eliten und Autoritäten sowie die Abschaffung des „Postkommunismus“. Die Geschichte des IPN war die Entwicklung dieses Prozesses unter den ständig unternommenen Versuchen, ihn zu ordnen und zu bremsen, um einen überpolitischen und inhaltlich wissenschaftlichen Charakter der Institution zu erhalten. Dabei traten auch starke Emotionen auf, die die Aktivitäten dieser Institution begleiteten und einen Einfluss auf die politischen Veränderungen in Polen hatten.

Der Vergleich des IPN mit der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU), die anfänglich als Vorbild für ähnliches Vorgehen in Polen genommen wurde, ist insofern schwierig, da sich die deutsche Behörde auf einen Staat bezieht, der 1990 aufgehört hatte zu existieren, und in Bezug auf diesen Aktivitäten unternimmt. Das hatte auch Konsequenzen in Bezug auf dessen Beamten. In Polen dagegen kam es zu einer Transformation des politischen Systems im Rahmen desselben Staates, in vielen Bereichen wurde also eine Kontinuität erhalten. In der Vorlesung werden diese Probleme und die daraus folgenden Dilemmata reflektiert.

Bildmotiv/Kontakt: Zuzanna Skiba | aus der Serie Magnetfelder, o.T., Bleistift, Acrylfirnis auf Pappe | 24,5 x 45 cm | 2010 – 2014 | gerahmt. www.zuzannaskiba.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s