]tip: KLEINER VON WIESE, FARBRAUSCH, Berlin, 7.3.2019

FARBRAUSCH – EINE FELDSTUDIE
5 Maler aus 3 Generationen, Jahrgang 1908 bis Jahrgang 1986
Eröffnung: 7. März 2019, 19.00 Uhr
Künstler:
Tim Freiwald, Rupprecht Geiger, Daniel Grüttner, Peter Krauskopf, Robert C. Morgan
Galerie KvW, Budapester Strasse 10, 10787 Berlin (English text (pdf) about the artists/curation)
Laufzeit: 8.3.–12.4. 2019 [fb-Event]

Farbe, Form, Linie sind die drei konstitutiven Hauptkomponenten der Malerei.
Am unmittelbarsten, am emotionalsten im Bild wirkt dabei der jeweilige Ton der Farbe. Der Ton macht bekanntlich die Musik und je nach Komposition der Farbtöne erhält das Bild einen warmen oder kühlen, einen stürmischen oder einen kontemplativen Ausdruck. In der Malerei erhalten Bilder mit der Farbe ihren „Klang“ – ganz wie mit den Tönen in der Musik!
Mehrfach hat man den je spezifischen Ausdrucksgehalt der Farben zu bestimmen versucht – so in den Farbkreisen von Newton, Goethe, Runge oder in den Mischungsschemen von Itten.
In der Bildenden Kunst kommt es seit dem 20. Jahrhundert zur reinen Farbenmalerei – dies ist ein neues Forschungs- und Ausdrucksfeld bis heute, von der kühlen Analyse bis hin zum Farbrausch. Farbe ist spirituelle und sinnliche Energie. „Malerei ist unser eigenes Auftauchen zu einem anderen Ort“, dieser Satz von Franz Marc wird von Ernst Bloch in „Das Prinzip Hoffnung“ mehrfach zitiert. Farbe öffnet uns neue Felder, neue Horizonte. Insofern ist unsere Ausstellung eine Feldstudie.
Di Galeristen stellen Werke von fünf Künstlern aus drei Generationen vor. Alle Fünf mussten und müssen nach dem katastrophalen Scheitern des euphorischen Aufbruchs in der Malerei der Moderne mit dieser veränderten Situation auf eigene, individuelle Weise umgehen.

Paul Klee hat auf seiner Tunis-Reise 1914 enthusiastisch ins Tagebuch geschrieben: „Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer, ich weiß das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: Ich und die Farbe sind eins“.
Beim analytischen Bauhausmeister Johannes Itten wird in seiner „Farbtypenlehre“
das Phänomen Farbe zur Frage über Sein und Nichtsein: „Farbe ist das Leben, denn eine Welt ohne Farben erscheint wie tot.“
In den USA wurde die Colorfield painting, die Farbfeldmalerei, vor allem mit Mark
Rothko, dann zur Sonderform des Abstrakten Expressionismus. Rothko sah in der Farbe „tragedy, ecstasy and doom“– Tragödie, Ekstase, Verhängnis; ausgehend von hellem Rot, Gelb und Orange zu dunklem Blau, Grün, Grau bis zum Schwarz. Malerei ist immer auch Ringen um Existenzform, um Parabeln der Daseinserkenntnis.
„Farbe ist Lebensfreude“, schrieb einst der visionäre Architekt Bruno Taut, Begründer der „Gläsernen Kette“, 1920 in seinem „Aufruf zum farbigen Bauen“. Die Menschheit sollte sich damals nach seiner Vision besonders durch Farbe sensibilisieren und zum Guten motivieren lassen. Bloch sah in der komprimierten Ausdrucksform in der Malerei die Utopie und formulierte es so: „Ein Ich muss hinter der aufgetragenen Farbe sein, eine Hand, die aufträgt. Ein Gefühl geht durch die bewegte Hand hindurch, fügt sich in der Gemälde ein.“ (Das Prinzip Hoffnung).
Wäre das heute so noch denkbar?
Die heutige Globalisierung mit ihren wachsenden Bilderfluten in allen Lebensbereichen, die zunehmende Interdisziplinarität und Verschmelzung von Kultur- und Kunstformen, die internationale Rezeption von Gegenwartskunst als universellem Ausdrucksmittel und ihre Anwendung als neue, universale und globale Sprache und mit all ihren überbordenden Ausdrucksformen stellt eine neue Herausforderung dar.

So wie es keinen Universalgelehrten wie in alten Zeiten mehr geben kann, kann es für die Zukunft auch nicht mehr DIE überschaubare Künstlerschar geben, deren Werke als repräsentativer Ausdruck des jeweiligen Zeitgeistes im gesellschaftlichen Gedächtnis bewahrt werden.
Im Bereich der Kunst werden es immer weniger die staatstragenden Museen, sondern
immer mehr die mündigen, individuellen Betrachter und Sammler sein, deren Rezeption und deren entsprechende Sammlungen ein komplexes Abbild vom Zeitgeist eines jeweiligen Jahrhunderts in Form eines lebendigen, ständig im Austausch befindlichen Gefüges abgeben werden. Insofern erfüllt sich Lessings alte weise Ring-Parabel in unserem aufgeklärten neuen Zeitalter.
Mit dem Fakt umgehen zu müssen, dass es künftig kein für alle Ewigkeit gesichertes Wissen mehr gibt, ist eine Herausforderung. Mit ihr müssen wir alle leben lernen. Wir selbst sind es von nun an, die sich die Fähigkeit erarbeiten und entscheiden lernen müssen, was wichtig und richtig und bewahrenswert ist. Das funktioniert heute nur mit dem Mut zu Abgrenzung und mit der Offenheit, erlangte Erkenntnisse in der Auseinandersetzung mit den Mitmenschen zu überdenken. Es gilt nunmehr der scheinbar absurde Grundsatz, dass es sein kann, dass der andere ebenso Recht hat wie man selbst.
Allen fünf hier in der Feldstudie ausgestellten Malern ist eigen, dass von jedem auf eigene, sehr individuelle Weise die Suche nach neuen Sichten, neuen Farbgesten, neuen Malstrategien nicht verloren gegeben worden ist. Damit geht das Ringen um Wahrheit, Schönheit, Frieden, Glück und Liebe in der Malerei seit der Moderne, über die Kriegs- und Nachkriegsjahre bis in die Jetztzeit weiter. Das führt zu einem Verdacht: Die Utopie lebt also doch noch und die Avantgarde ist vielleicht doch immer noch nicht tot?
Fünf Maler – fünf Positionen, denen sich die Ausstellung widmet:
So der Farbpoesie des ältesten, Rupprecht Geiger; dann den konkreten Raumschöpfungen von Robert C. Morgan mit seinen sensiblen Feldforschungen zur Reaktion von Licht auf Pigment und Metall; weiter den unterschiedlichen Farbgesten der beiden jüngeren Maler Peter Krauskopf und Daniel Grüttner; schließlich der Dekonstruktion des Gemäldes beim jüngsten, bei Tim Freiwald.

Über die Künstler im einzelnen: Text (pdf).

All rights reserved by Constanze Kleiner, Stephan von Wiese
www.kleinervonwiese.com

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